Ob für eine gesunde Verdauung, zur Unterstützung des Immunsystems oder als Begleiter beim Abnehmen: Probiotika werden für unterschiedliche Ziele angeboten. Die Auswahl in Apotheken, Drogerien und im Internet ist groß. Lesen Sie, was die kleinen Helfer leisten können und worauf es bei der Anwendung ankommt.
Was sind Probiotika?
Die gute Nachricht lautet: Probiotika sind keineswegs wirkungslos. Für einige Beschwerden konnten wissenschaftliche Studien tatsächlich einen Nutzen nachweisen. Allerdings gilt das längst nicht für alle Produkte und nicht für jede Erkrankung. Entscheidend ist außerdem, welche Bakterienstämme enthalten sind. Denn Probiotikum ist nicht gleich Probiotikum. Wer sich etwas auskennt, kann Enttäuschungen vermeiden und seine Darmgesundheit gezielt unterstützen.
Die Darmflora – heute meist Mikrobiom genannt – besteht aus Milliarden von Bakterien, die wichtige Aufgaben übernehmen. Sie helfen bei der Verdauung, bilden bestimmte Vitamine, beeinflussen das Immunsystem und schützen den Darm vor krankmachenden Keimen. Ist dieses empfindliche Gleichgewicht gestört, können Verdauungsprobleme entstehen. Deshalb hoffen viele Menschen, mit Probiotika ihre Darmflora wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Probiotika enthalten lebende Mikroorganismen – meist Milchsäurebakterien oder Hefen. Sie werden als Kapseln, Pulver, Tropfen oder Trinklösungen angeboten. Nach der Einnahme gelangen sie in den Darm und sollen dort das Gleichgewicht der Darmflora unterstützen.
Hinweis: Ein gesundes Mikrobiom besteht aus vielen unterschiedlichen Bakterienarten. Es lässt sich jedoch nicht einfach durch die Einnahme beliebiger Probiotika dauerhaft verändern.
Probiotika-Effekte unter der Lupe
Wer sich über Probiotika informiert, stößt häufig auf widersprüchliche Aussagen. Das liegt unter anderem daran, dass in den Studien ganz unterschiedliche Bakterienstämme untersucht werden. Selbst eng verwandte Stämme können völlig unterschiedliche Wirkungen haben.
Hinzu kommt, dass jeder Mensch ein individuelles Mikrobiom besitzt. Ernährung, Alter, Medikamente, Vorerkrankungen und genetische Faktoren beeinflussen, wie gut sich zugeführte Bakterien überhaupt im Darm ansiedeln können. Manche verschwinden bereits nach kurzer Zeit wieder. Deshalb lässt sich das Ergebnis einer Studie nicht ohne Weiteres auf alle Probiotika oder alle Menschen übertragen.
Für diese Einsatzgebiete sieht der Wissenstand folgendermaßen aus:
Nach einer Antibiotikatherapie: Antibiotika bekämpfen krankmachende Bakterien. Gleichzeitig können sie aber auch nützliche Darmbakterien schädigen. Die Folgen sind bei manchen Menschen Durchfälle, Blähungen oder Bauchschmerzen. Für einige Probiotika konnte gezeigt werden, dass sie das Risiko für antibiotikabedingte Durchfälle verringern können. Sie ersetzen die Antibiotikatherapie selbstverständlich nicht, können sie aber unter Umständen sinnvoll begleiten. Empfohlen für die Behandlung werden nur bestimmte spezifische Stämme. Ob ein Probiotikum im Einzelfall geeignet ist und wann es eingenommen werden sollte, lässt sich in der Apotheke oder Arztpraxis besprechen. Wichtig dabei: Zwischen Antibiotikum und bakteriellem Probiotikum (z. B. Laktobazillen oder Bifidobakterien) sollte ein zeitlicher Abstand von mindestens zwei bis drei Stunden liegen. So sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass das Antibiotikum die nützlichen Bakterien sofort wieder zerstört.
Hilfe bei Reisedurchfall: Auch zur Vorbeugung eines Reisedurchfalls wurden verschiedene Probiotika untersucht. Einige Studien zeigen einen kleinen Schutzeffekt. Noch wichtiger sind also die klassischen Hygieneregeln auf Reisen: sauberes Trinkwasser, gründlich gegarte Speisen und sorgfältige Händehygiene.
Reizdarm: Menschen mit Reizdarmsyndrom leiden häufig unter Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung – Letztere häufig auch im Wechsel. Manche Probiotika können diese Beschwerden lindern. Allerdings profitieren nicht alle Betroffenen gleichermaßen. Auch hier kommt es auf den verwendeten Bakterienstamm an. Während ein Präparat bei Blähungen hilfreich sein kann, zeigt ein anderes möglicherweise keinen Effekt. Deshalb empfehlen Fachgesellschaften, Probiotika gezielt auszuwählen und nach einigen Wochen zu überprüfen, ob sich die Beschwerden tatsächlich bessern. Verbessern sich die Beschwerden nach etwa vier bis acht Wochen nicht, sollte das Präparat wieder abgesetzt werden.
Colitis ulcerosa: Bei der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung Colitis ulcerosa können ausgewählte Probiotika helfen, Beschwerden zu lindern oder eine beschwerdefreie Phase zu stabilisieren. Die Standardtherapie ersetzen sie jedoch nicht. Deshalb dürfen sie nur zusätzlich zur ärztlich verordneten Behandlung eingesetzt werden. Betroffene sollten Probiotika jedoch nur nach Rücksprache mit ihrer behandelnden Ärzt*in verwenden.
Unterstützung bei Helicobacter pylori: Der Magenkeim Helicobacter pylori wird mit einer Kombination mehrerer Antibiotika behandelt. Diese Therapie kann Nebenwirkungen wie Durchfall verursachen. Einige Probiotika können solche Beschwerden abschwächen. Außerdem gibt es Hinweise, dass manche Patient*innen die Behandlung dadurch besser vertragen und konsequenter durchführen.
Wo Probiotika eher nicht helfen
Werbung und soziale Medien vermitteln oft den Eindruck, Probiotika könnten nahezu jedes Gesundheitsproblem positiv beeinflussen. Tatsächlich werden sie unter anderem bei Allergien, Übergewicht, Diabetes, Depressionen, Demenz oder sogar Krebs angeboten. Für diese Anwendungsgebiete gibt es bislang jedoch keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege. Zwar zeigen einzelne Studien oder Tierversuche gelegentlich positive Ergebnisse. In hochwertigen Untersuchungen am Menschen konnten diese Effekte aber meist nicht eindeutig bestätigt werden.
Nicht jeder verträgt Probiotika
Die meisten gesunden Menschen vertragen Probiotika gut. Vor allem zu Beginn der Einnahme können allerdings Blähungen, Völlegefühl, Bauchkrämpfe oder Veränderungen des Stuhlgangs auftreten. Diese Beschwerden verschwinden meist nach einigen Tagen wieder. Bleiben sie bestehen oder verschlimmern sie sich, sollte das Präparat abgesetzt und ärztlicher Rat eingeholt werden.
Für Menschen mit einem gesunden Immunsystem gelten Probiotika überwiegend als sicher. Es gibt jedoch Ausnahmen. Nicht empfohlen werden sie unter anderem für Personen mit einer stark geschwächten Immunabwehr, etwa nach Organtransplantationen oder während bestimmter Krebstherapien. Auch schwer kranke Patient*innen auf Intensivstationen sollten Probiotika nur nach ärztlicher Entscheidung erhalten. Bei Frühgeborenen sowie Neugeborenen und Säuglingen sollten Probiotika ebenfalls nur nach ausdrücklicher ärztlicher Empfehlung eingesetzt werden.
Hinweis: Sie leiden an einer schweren Grunderkrankung oder nehmen Medikamente ein, die das Immunsystem unterdrücken? Dann ziehen Sie vor der Einnahme von Probiotika immer Ihre Ärzt*in zu Rate!
Das Mikrobiom natürlich stärken
Wer seine Darmflora langfristig unterstützen möchte, sollte auch seinen Lebensstil verändern. Eine abwechslungsreiche, ballaststoffreiche Ernährung liefert den Darmbakterien genau die Nährstoffe, die sie benötigen. Besonders günstig wirken sich Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse und Samen aus. Sie enthalten Ballaststoffe, die den nützlichen Darmbakterien als Nahrung dienen.
Ebenso wichtig ist es, stark verarbeitete Lebensmittel, zuckerreiche Getränke und große Mengen rotes Fleisch nur in Maßen zu verzehren. Diese Lebensmittelgruppen schaden der Darmflora auf unterschiedliche Weise, indem sie entweder „schlechte“ Bakterien fördern oder die Darmschleimhaut direkt angreifen. Zucker dient beispielsweise als ideales Nährmedium für potenziell schädliche Bakterien und Hefepilze wie Candida albicans. Diese verdrängen die nützlichen Bakterien und können Entzündungsreaktionen im Darm auslösen. Zusatzstoffe und Emulgatoren können wiederum die Darmwände direkt beeinträchtigen.
Doch nicht nur die Ernährung beeinflusst das Mikrobiom. Regelmäßige Bewegung steigert die Artenvielfalt der Darmbakterien und unterstützt das Wachstum gesunder Arten. Schon tägliche Spaziergänge, Radfahren oder Schwimmen können sich positiv auswirken. Gleichzeitig sinkt dadurch das Risiko für zahlreiche Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Typ-2-Diabetes. Auch ausreichend Schlaf und ein guter Umgang mit Stress scheinen eine wichtige Rolle für Darm und Immunsystem zu spielen. Studien haben gezeigt, dass Schlafentzug das Verhältnis der Darmbakterien zugunsten ungesunder Arten verschiebt.
Tipp: Fachleute empfehlen häufig eine mediterrane Ernährungsweise. Sie enthält reichlich Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Olivenöl und Fisch. Studien zeigen, dass diese Ernährung die Vielfalt der Darmbakterien fördern kann. Gleichzeitig wirkt sie sich günstig auf Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin und Körpergewicht aus.
Die richtige Auswahl bei Probiotika
Wer sich ausgewogen ernährt, regelmäßig bewegt und Antibiotika nur dann einnimmt, wenn sie medizinisch notwendig sind, schafft bereits gute Voraussetzungen für eine gesunde Darmflora. Kommt es dennoch zu bestimmten Beschwerden – etwa nach einer Antibiotikatherapie oder bei einem Reizdarmsyndrom –, können ausgewählte Probiotika sinnvoll sein. Das Angebot ist allerdings groß und für Laien oft schwer zu überblicken.
Viele Verbraucher*innen achten vor allem auf die Anzahl der enthaltenen Bakterien. Tatsächlich sagt diese Zahl allein jedoch wenig über die Wirksamkeit aus. Entscheidend ist vielmehr, welche Bakterienstämme enthalten sind, ob genau diese Stämme wissenschaftlich untersucht wurden und ob sie in ausreichender Menge und lebend den Darm erreichen. Deshalb lohnt sich eine Beratung bei der Ärzt*in oder in der Apotheke. Dort kann gezielt nach einem Präparat gesucht werden, dessen Nutzen für die jeweilige Beschwerde untersucht wurde. Zudem erfahren Sie, wie das Präparat eingenommen werden soll und ob es bei der Aufbewahrung gekühlt werden muss.
Hinweis: Lassen Sie sich nicht von vermeintlicher „Qualität“ täuschen. Ein höherer Preis bedeutet nicht automatisch eine bessere Wirksamkeit.
Arztbesuch statt Probiotika
Länger anhaltende oder starke Beschwerden sollten immer ärztlich abgeklärt werden, bevor Sie versuchen, diese eigenständig mit Probiotika zu behandeln. Probiotika sind zwar in der Regel gut verträglich, können jedoch bei schweren zugrundeliegenden Erkrankungen die Symptome maskieren oder die Diagnose erschweren. Das gilt insbesondere bei folgenden Warnsignalen:
Durchfall über mehrere Tage: Hält ein Durchfall länger als drei Tage an, besteht die Gefahr des Austrocknens und eines Elektrolytverlusts. Zudem könnte eine Infektion vorliegen, die eine gezielte medikamentöse Therapie erfordert, die über die Gabe von „guten Bakterien“ hinausgeht.
Blut im Stuhl: Sichtbares Blut (rot oder schwarz-teerig) ist ein ernstzunehmendes Warnzeichen für Verletzungen der Darmschleimhaut, Entzündungen (wie Colitis ulcerosa) oder Veränderungen durch Polypen. Hier ist eine ärztliche Abklärung zwingend notwendig.
Starke Bauchschmerzen: Plötzliche, heftige oder anhaltende Schmerzen können auf akute chirurgische Notfälle (z. B. Blinddarmentzündung, Ileus) oder schwere Entzündungen hinweisen.
Hohes Fieber: Fieber über 38,5 °C in Kombination mit Verdauungsproblemen deutet meist auf eine Infektion hin, die den gesamten Körper betrifft und ärztlich überwacht werden muss.
Ungewollter Gewichtsverlust: Wenn Sie ohne Diät oder sportliche Aktivität an Gewicht verlieren, kann dies ein Hinweis auf chronische Entzündungen, Malabsorption (Nährstoffaufnahmestörung) oder Tumorerkrankungen sein.
Wiederkehrende Verdauungsbeschwerden: Treten Blähbauch, Durchfall oder Verstopfung immer wieder auf, könnte eine chronische Ursache wie ein Reizdarmsyndrom, eine Nahrungsmittelunverträglichkeit (z. B. Zöliakie, Laktoseintoleranz) oder eine Dysbiose vorliegen. Dann ist eine spezifische Diagnostik nötig. Beschwerden nach Auslandsreisen: Nach Fernreisen können spezielle Erreger (z. B. Amöben, Lamblien oder multiresistente Bakterien) die Ursache für Darmbeschwerden sein. Auch wenn Sie unter chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen leiden oder Ihr Immunsystem geschwächt ist, sollten Sie Probiotika nicht ohne ärztliche Rücksprache einnehmen.
Hämorrhoiden sind weit verbreitet – und trotzdem spricht kaum jemand darüber. Dabei hat fast jeder Erwachsene im Laufe des Lebens Beschwerden im Analbereich. Die gute Nachricht: In vielen Fällen lassen sich die Symptome mit einfachen Maßnahmen lindern. Und falls das nicht ausreicht, gibt es wirksame Behandlungen bis hin zu schonenden Eingriffen.
Hämorrhoiden – was ist das eigentlich?
Der Begriff „Hämorrhoiden“ wird oft verwendet, als wären sie eine Krankheit. Tatsächlich hat jeder Mensch Hämorrhoiden. Denn dabei handelt es sich um gut durchblutete Gefäßpolster im Enddarm, die gemeinsam mit dem Schließmuskel dafür sorgen, dass der Darm zuverlässig dicht bleibt.
Problematisch werden Hämorrhoiden erst, wenn sie sich vergrößern oder nach außen vorwölben. Fachleute sprechen dann von einem Hämorrhoidalleiden – kurz „Hämorrhoiden“. Die Beschwerden können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, sind aber in den meisten Fällen gut behandelbar.
Hinweis: Männer und Frauen sind etwa gleich häufig von Hämorrhoiden betroffen. Das Risiko steigt jedoch mit zunehmendem Alter deutlich an.
Wie machen sich Hämorrhoiden bemerkbar?
Die Symptome hängen davon ab, wie stark die Hämorrhoiden vergrößert sind. Typische Beschwerden sind:
Juckreiz, Brennen oder Nässen am After
Druck- oder Fremdkörpergefühl
Schmerzen, insbesondere bei gereizten oder entzündeten Hämorrhoiden
hellrote Blutspuren auf dem Toilettenpapier oder im Stuhl
Schwierigkeiten beim Abwischen
ein Vorwölben oder Heraustreten von Gewebe beim Stuhlgang
Hellrote Blutungen sind zwar ein häufiges Zeichen für Hämorrhoiden, sollten aber immer ärztlich abgeklärt werden. Denn auch andere Erkrankungen des Enddarms oder Darms können Blutungen verursachen.
Hinweis: Kinder entwickeln nur sehr selten Hämorrhoiden. Treten bei ihnen Blutungen oder Knoten am After auf, steckt meist eine andere Ursache dahinter. In diesen Fällen ist ein Besuch bei der Kinderärzt*in ratsam.
Alter und Druck begünstigen Hämorrhoiden
Warum sich die Gefäßpolster im Enddarm vergrößern, ist nicht immer eindeutig zu klären. Meist kommen mehrere Faktoren zusammen. Dazu gehört zunächst einmal das Alter. Mit zunehmendem Alter verliert das Bindegewebe an Elastizität, wodurch die Hämorrhoidalpolster leichter nach unten rutschen oder sich vorwölben. Deshalb treten Hämorrhoiden besonders häufig ab dem mittleren Lebensalter auf.
Als wichtigster Risikofaktor gilt allerdings die chronische Verstopfung. Ist der Stuhlgang nur unter starkem Pressen erfolgreich, steigt der Druck im Enddarm deutlich an. Dadurch werden die Hämorrhoidalpolster immer wieder belastet und können sich mit der Zeit vergrößern. Langes Sitzen auf der Toilette – etwa beim Lesen oder Scrollen auf dem Smartphone – gilt ebenfalls als ungünstig. Eine aktuelle Studie fand einen Zusammenhang zwischen häufiger Smartphone-Nutzung auf der Toilette und einem erhöhten Risiko für Hämorrhoiden.
Auch die Ernährung spielt eine Rolle. Wer wenig Ballaststoffe aufnimmt und zu wenig trinkt, hat häufig harten Stuhl. Dadurch wird nicht nur der Stuhlgang erschwert. Der harte Stuhl kann beim Pressen die empfindliche Schleimhaut verletzen.
Übergewicht begünstigt das Hämorrhoidalleiden dadurch, dass der Druck im Bauchraum höher wird. Dadurch wird der venöse Abfluss aus den Gefäßpolstern erschwert, das Blut staut sich und die Hämorrhoiden schwellen an und vergrößern sich. Erhöhter Druck im Bauchraum ist auch einer der Gründe, warum Schwangere oft Hämorrhoiden entwickeln. Ein weiterer sind die Schwangerschaftshormone, die das Bindegewebe zusätzlich lockern.
Hinweis: Hämorrhoiden entstehen nicht durch mangelnde Hygiene. Auch scharfes Essen verursacht sie nicht, kann bereits bestehende Beschwerden jedoch gelegentlich verstärken.
Beschwerden abklären und Ursachen finden
Probleme im Analbereich sind immer noch mit Scham verbunden. Deshalb schieben viele Menschen den Besuch bei einer Ärzt*in lange hinaus. Dabei ist die Untersuchung bei Verdacht auf Hämorrhoiden Routine und dauert meist nur wenige Minuten. Wichtig ist die Abklärung aber auch deshalb, weil Beschwerden wie Blutungen, Schmerzen oder ein Fremdkörpergefühl nicht immer durch Hämorrhoiden verursacht werden – manchmal kann z. B. auch ein Darmkrebs dahinterstecken.
Unbedingt in die ärztliche Praxis sollte man, wenn
Blutungen auftreten,
starke Schmerzen bestehen,
sich die Beschwerden trotz Selbstbehandlung nicht bessern,
Hämorrhoiden immer wiederkehren,
ein Knoten plötzlich stark schmerzt oder anschwillt,
ungewollter Gewichtsverlust oder Veränderungen der Stuhlgewohnheiten hinzukommen.
Die Diagnose stellt die Ärzt*in in der Regel anhand der Beschwerden und einer Untersuchung des Analbereichs. Schon sicht- und tastbare Veränderungen können auf vergrößerte Hämorrhoiden hinweisen. Zur endgültigen Diagnose ist häufig eine Spiegelung des Enddarms erforderlich.
Dabei führt die Ärzt*in vorsichtig ein 8 bis 15 cm langes Endoskop in den Enddarm ein. So können die Hämorrhoidalpolster direkt betrachtet und Größe sowie Ausmaß der Veränderungen beurteilt werden. Die Untersuchung dauert meist nur wenige Minuten und ist in der Regel nicht schmerzhaft. Ein spezielles Abführen wie bei der Darmspiegelung ist normalerweise nicht erforderlich. Anhand der Ergebnisse werden Hämorrhoiden in vier Schweregrade eingeteilt. Das hilft, die jeweils passende Behandlung auszuwählen.
Was kann ich selbst gegen Hämorrhoiden tun?
Bei leichten Beschwerden helfen oft schon Änderungen der Lebensgewohnheiten. Ziel ist es, den Stuhl weich zu halten und starkes Pressen zu vermeiden.
Ballaststoffe erhöhen. Empfohlen werden täglich etwa 20 bis 30 Gramm Ballaststoffe. Sie binden Wasser, vergrößern das Stuhlvolumen und erleichtern die Darmentleerung. Geeignete ballaststoffreiche Lebensmittel sind Obst und Gemüse, Vollkornbrot und Haferflocken, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen. Wer bisher wenig Ballaststoffe gegessen hat, sollte die Menge langsam steigern, damit es nicht zu Blähungen kommt.
Ausreichend trinken. Ballaststoffe können ihre Wirkung nur entfalten, wenn genügend Flüssigkeit aufgenommen wird. Empfehlenswert sind etwa fünf bis sechs Gläser Wasser pro Tag, bei Hitze oder körperlicher Aktivität entsprechend mehr.
Nicht pressen. Starkes Pressen erhöht den Druck auf die Gefäßpolster. Deshalb sollte man sich ausreichend Zeit für den Toilettengang nehmen, ohne zu drücken. Wichtig ist auch, die Toilette beim Verspüren des Stuhldrangs aufzusuchen und den Toilettengang nicht unnötig hinauszuschieben.
Nicht zu lange auf der Toilette sitzen. Langes Sitzen – z. B. mit dem Smartphone oder einer Zeitung – kann den Druck auf die Hämorrhoiden und damit die Beschwerden verstärken. Der Toilettengang sollte deshalb möglichst kurz und ohne langes Verweilen erfolgen.
Mehr bewegen. Regelmäßige körperliche Aktivität regt die Darmtätigkeit an und kann Verstopfung vorbeugen. Bereits tägliche Spaziergänge sind dabei hilfreich.
Tipp: Häufiges Heben oder Tragen schwerer Lasten erhöht den Druck im Bauchraum und belastet bestehende Hämorrhoiden zusätzlich. Achten Sie beim Heben auf eine rückenschonende Technik und vermeiden Sie unnötig schwere Lasten.
Den Analbereich sanft behandeln
Bei Hämorrhoiden ist eine sanfte Pflege besonders wichtig. Zu kräftiges Reiben, häufiges Waschen oder aggressive Reinigungsmittel können die empfindliche Haut und Schleimhaut zusätzlich reizen und Juckreiz oder Brennen verstärken.
Am besten reinigen Sie den Analbereich nach dem Stuhlgang möglichst schonend:
Verwenden Sie lauwarmes Wasser zur Reinigung. Ein weicher Waschlappen oder die Dusche eignen sich besser als starkes Reiben mit Toilettenpapier.
Tupfen Sie die Haut anschließend vorsichtig trocken, statt zu rubbeln. Feuchtigkeit im Analbereich kann Hautreizungen begünstigen.
Verzichten Sie auf parfümierte Feuchttücher, Duftseifen oder aggressive Intimwaschlotionen. Sie können die natürliche Schutzbarriere der Haut stören und Reizungen auslösen.
Vermeiden Sie häufiges Nachreinigen, wenn kein Stuhl mehr vorhanden ist. Zu viel Reibung belastet die Haut.
Hinweis: Eine gute Analhygiene bedeutet nicht, den Bereich „steril“ zu reinigen. Die Haut rund um den After besitzt eine natürliche Schutzfunktion, die durch zu intensive Pflege eher geschwächt werden kann.
Wie Medikamente helfen können
Medikamente können die Beschwerden eines Hämorrhoidalleidens lindern, die vergrößerten Hämorrhoiden selbst jedoch nicht dauerhaft beseitigen. Sie werden vor allem eingesetzt, um unangenehme Symptome wie Juckreiz, Brennen, Nässen oder Reizungen im Analbereich zu reduzieren.
Welche Behandlung geeignet ist, hängt von den Beschwerden und dem Stadium der Hämorrhoiden ab. Bei akuten, leichten Beschwerden können frei verkäufliche Präparate aus der Apotheke häufig eine zeitweise Erleichterung bringen. Zur lokalen Behandlung stehen verschiedene Präparate zur Verfügung. Sie werden direkt im Analbereich angewendet und können die gereizte Haut beruhigen:
Salben und Cremes werden vor allem bei Beschwerden im äußeren Analbereich eingesetzt und können Juckreiz, Brennen und Hautreizungen lindern.
Zäpfchen eignen sich besonders bei Beschwerden durch innere Hämorrhoiden, da der Wirkstoff direkt im Enddarm freigesetzt wird.
Analtampons sind spezielle Zäpfchen. Durch einen kleinen Mullanteil bleiben sie bei inneren Hämorrhoiden länger im Bereich der Schleimhaut und können dort länger wirken.
Viele rezeptfreie Präparate enthalten pflanzliche Wirkstoffe, Gerbstoffe oder lokal beruhigende Substanzen. Sie können vor allem bei leichten bis mäßigen Beschwerden hilfreich sein.
Einige Wirkstoffe, zum Beispiel Hydrokortison-haltige Präparate, sind verschreibungspflichtig und sollten nur nach ärztlicher Empfehlung angewendet werden. Sie kommen bei ausgeprägtem Juckreiz oder entzündlichen Beschwerden zum Einsatz.
Hinweis: Präparate mit Hydrokortison dürfen nicht langfristig angewendet werden, da sie die empfindliche Haut und Schleimhaut im Analbereich schädigen können.
Wenn Hausmittel und Medikamente nicht mehr ausreichen
Bleiben die Beschwerden trotz der genannten Maßnahmen bestehen oder treten Hämorrhoiden immer wieder auf, können ambulante Eingriffe sinnvoll sein. Ihr Ziel ist, die vergrößerten Hämorrhoiden zu entfernen.
Gummibandligatur: Die Gummibandligatur ist eines der häufigsten Verfahren zur Behandlung von inneren Hämorrhoiden. Sie erfolgt im Rahmen einer Enddarmspiegelung (Proktoskopie). Dabei legt die Ärzt*in mit einem speziellen Instrument ein kleines Gummiband um die Basis der Hämorrhoide. Die Blutzufuhr wird unterbrochen und das Gewebe stirbt innerhalb von sieben bis vierzehn Tagen ab. Oft sind mehrere Sitzungen im Abstand von einigen Wochen nötig. Bei vielen Betroffenen lassen sich die Beschwerden deutlich bessern. Allerdings können Hämorrhoiden später erneut auftreten. Man schätzt, dass dies nach etwa jeder zehnten Gummibandligatur passiert.
Sklerotherapie: Bei der Sklerotherapie wird eine spezielle Substanz (z. B. Phenol) in die Hämorrhoide eingespritzt. Dadurch schrumpft das Gewebe. Im Vergleich zur Gummibandligatur ist die Methode meist etwas angenehmer und verursacht weniger Schmerzen nach dem Eingriff. Allerdings ist sie bei Blutungen und vorfallenden Hämorrhoiden häufig weniger wirksam.
Infrarotkoagulation: Auch die Infrarotkoagulation gehört zu den ambulanten Verfahren. Sie kommt am ehesten bei kleinen inneren Hämorrhoiden zum Einsatz. Dabei wird das Gewebe mithilfe von Wärme behandelt, oft sind mehrere Behandlungen nötig. Die Methode gilt ebenfalls als nicht so effektiv wie die Gummibandligatur.
Wann ist eine Operation notwendig?
Größere Hämorrhoiden, insbesondere fortgeschrittene Befunde, gemischte Hämorrhoiden oder Beschwerden, die auf andere Behandlungen nicht ansprechen, können eine Operation erforderlich machen. Es gibt verschiedene Verfahren, die je nach Lage und Ausmaß der Hämorrhoiden und dem Wunsch der Patient*in gewählt werden.
Bei der klassischen Hämorrhoidektomie entfernt die Ärzt*in die vergrößerten Hämorrhoiden operativ. Der Vorteil: Eine vollständige und dauerhafte Beschwerdefreiheit wird häufiger erreicht als nach einer Gummibandligatur.
Bei der Stapler-Hämorrhoidopexie nach Longo wird das Hämorrhoidalgewebe nicht herausgeschnitten, sondern das vorgefallene Gewebe mit einem Klammergerät angehoben und weiter oben im Darm befestigt. Dieses Verfahren gilt als weniger schmerzhaft als die Hämorrhoidenentfernung und eignet sich insbesondere für vorgefallene Hämorrhoiden.
Im Rahmen der HAL-RAR-Methode unterbindet die Ärzt*in zuerst die zuführenden Blutgefäße der Hämorrhoiden. Anschließend wird das vorgefallene Gewebe mit Nähten gestrafft.
Eine weitere Möglichkeit sind Laserverfahren. Dabei wird das vergrößerte Gewebe mit Laserenergie verkleinert. Diese Methode ist ebenfalls eher schonend, wird aber nicht überall angeboten.
Wie bei jeder Operation können auch bei der Hämorrhoiden-Entfernung Komplikationen auftreten. Dazu gehören unter anderem:
Schmerzen
Nachblutungen
vorübergehender Harnverhalt
in seltenen Fällen Probleme mit der Stuhlkontinenz
Nach einer Hämorrhoiden-Operation braucht der Analbereich Zeit, um zu heilen. Da die Wunde beim Stuhlgang immer wieder belastet wird, sind in den ersten Tagen und Wochen eine gute Pflege und vor allem ein weicher Stuhl besonders wichtig. Dabei gelten die gleichen Regeln und Maßnahmen wie bei der konservativen Behandlung des Hämorrhoidalleidens.
Hinweis: Nach der Operation treten meist Schmerzen im Analbereich auf. Damit diese nicht dazu führen, dass der Stuhlgang vermieden wird und es zu Verstopfung kommt, verschreibt die Ärzt*in meist ein geeignetes Schmerzmittel.
Vorhofflimmern bedeutet nicht, auf ein aktives Leben verzichten zu müssen. Wer seine Medikamente zuverlässig einnimmt und die nötigen Verhaltensregeln beachtet, kann selbst viel dazu beitragen, Beschwerden zu lindern und das Risiko für einen Schlaganfall zu senken.
Was bedeutet Vorhofflimmern?
Vorhofflimmern ist eine häufige Herzrhythmusstörung, die insbesondere im Alter auftritt. So sollen in Deutschland etwa 1,6 Millionen Menschen darunter leiden. Dabei schlagen die Herzvorhöfe anfallsweise oder dauerhaft ungeordnet und sehr schnell. In der Folge arbeiten sie nicht mehr effektiv mit den Herzkammern zusammen. Das beeinträchtigt den Blutfluss und erhöht das Risiko für Blutgerinnsel und Schlaganfälle.
Viele Patient*innen bemerken von ihrem Vorhofflimmern zunächst nichts. Die Rhythmusstörung wird dann z. B. während einer Gesundheitsuntersuchung beim Schreiben des EKGs entdeckt. Manchmal wird sie auch erst im Zusammenhang mit einem Schlaganfall diagnostiziert.
Treten Beschwerden auf, berichten die Betroffenen über vorübergehendes Herzrasen oder Herzstolpern und einen unregelmäßigen Puls. Bei manchen verursacht das phasenweise Herzstolpern keine spürbaren Beschwerden. Wenn der unregelmäßige Herzschlag aber die Leistung des Herzens beeinträchtigt, fühlen sich die Patient*innen schnell müde und erschöpft, manche haben Schwindel oder leiden unter Atemnot.
Hinweis: Vorhofflimmern ist meist nicht unmittelbar lebensbedrohlich. Es sollte aber immer ärztlich abgeklärt und behandelt werden, da sich sonst das Risiko für Komplikationen wie einen Schlaganfall erhöht.
Herzschlag kontrollieren und Blut verdünnen
Ist ein Vorhofflimmern diagnostiziert, wird es in der Regel auch behandelt. Die Therapie verfolgt zwei Ziele: Das Risiko für einen Schlaganfall zu verringern und die Beschwerden durch den gestörten Herzschlag zu beseitigen. Bei der Kontrolle des Herzschlags wird zwischen Frequenz- und Rhythmuskontrolle entschieden:
Die Frequenzkontrolle wird meist gewählt, wenn nur wenige Beschwerden bestehen oder das Vorhofflimmern schon länger anhält. Dabei bleibt die Rhythmusstörung bestehen, der Puls wird aber mit Medikamenten wie Betablockern verlangsamt. Meist wird eine Ruheherzfrequenz unter 110 Schlägen pro Minute angestrebt.
Die Rhythmuskontrolle setzt man besonders bei Beschwerden, neu aufgetretenem Vorhofflimmern oder zur Verbesserung der Lebensqualität ein. Sie kann – abhängig vom individuellen Risiko – auch schon früh im Krankheitsverlauf sinnvoll sein. Ihr Ziel ist es, den normalen Herzrhythmus wiederherzustellen und zu stabilisieren. Medikamente dafür sind z. B. Flecainid oder Propafenon. Reicht dies nicht aus, kommt eine Katheterablation in Frage. Dabei schiebt die Ärzt*in einen dünnen Schlauch durch die Gefäße bis zum Herz und verödet die Bereiche, die das Vorhofflimmern auslösen.
Ganz besonders wichtig ist es, das hohe Schlaganfallrisiko zu senken. Das gelingt mit Medikamenten, die die Blutgerinnung hemmen (auch Antikoagulanzien oder „Blutverdünner“ genannt). Da diese Wirkstoffe die Blutungsgefahr erhöhen, müssen der Nutzen (also die Verhinderung von Schlaganfällen) und das Risiko für Blutungen gegeneinander abgewogen werden. Dabei können spezielle Risikorechner helfen.
Ist das Schlaganfallrisiko hoch und eine dauerhafte gerinnungshemmende Therapie nicht möglich, kommt auch der Verschluss des linken Vorhof-Ohrs in Frage. Dort bilden sich die meisten Blutgerinnsel. Damit sie nicht in den Kreislauf gelangen und einen Schlaganfall auslösen, kann man das Vorhof-Ohr im Rahmen eines minimal-invasiven Kathetereingriffs mechanisch verschließen.
Vorhofflimmern tritt zudem häufig gemeinsam mit anderen Erkrankungen auf. Besonders Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Schlafapnoe beeinflussen den Verlauf der Erkrankung. Deshalb gehört es zur Behandlung, diese Risikofaktoren möglichst gut einzustellen. Regelmäßige Blutdruckkontrollen, die konsequente Einnahme verordneter Medikamente und Kontrolltermine in der Arztpraxis tragen wesentlich dazu bei, Komplikationen zu vermeiden.
Hinweis: Gerinnungshemmende Medikamente entfalten ihre Schutzwirkung nur, wenn sie regelmäßig eingenommen werden. Ausgelassene Tabletten können das Schlaganfallrisiko erhöhen. Ganz besonders gilt das für die neueren Wirkstoffe (DOAKs), deren Wirkung schnell nachlässt.
Vorsicht Blutverdünner
Bei gerinnungshemmenden Medikamenten muss im Alltag das erhöhtes Blutungsrisiko beachtet werden. Das bedeutet, dass schon kleine Verletzungen länger bluten können und auch innere Blutungen – etwa nach Stürzen – gefährlicher sein können.
Blutungen beachten: Betroffene sollten auf Zeichen wie häufiges Nasenbluten, ungewöhnlich starke oder lange Blutungen bei kleinen Verletzungen, Blut im Urin oder Stuhl sowie ungeklärte blaue Flecken achten und diese ärztlich abklären lassen.
Verhalten im Alltag: Bei Aktivitäten mit erhöhtem Verletzungsrisiko heißt es, besonders vorsichtig zu sein. Auch Stürze sollte man möglichst vermeiden, da unter Blutgerinnungshemmern Blutungen stärker ausfallen und gefährlicher sein können.
Vorsicht mit grünem Gemüse: Bei gerinnungshemmenden Vitamin-K-Antagonisten (z. B. Marcumar/Warfarin) ist eine gleichmäßige Aufnahme von Vitamin K wichtig – stark schwankende Mengen (z. B. viel Spinat, Grünkohl oder andere grüne Gemüse in sehr unterschiedlichen Mengen) können die Wirkung beeinflussen. Bei neueren Gerinnungshemmern (DOAKs) hat die Ernährung einen weniger ausgeprägten Einfluss.
Wechselwirkungen vermeiden: Rezeptfreie pflanzliche Präparate wie z. B. Johanniskraut oder Ginkgo können die Wirkung der Blutverdünner verändern und sollten nur nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden.
Hinweis: Wer gerinnungshemmende Medikamente einnimmt, sollte immer einen entsprechenden Notfall- oder Antikoagulationsausweis mit sich tragen. So wird im Ernstfall sofort erkannt, dass ein erhöhtes Blutungsrisiko besteht.
Herzgesunder Lebensstil
Ein herzgesunder Lebensstil kann den Verlauf des Vorhofflimmerns günstig beeinflussen. Empfehlenswert ist eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Fisch sowie hochwertigen pflanzlichen Ölen. Fertigprodukte und stark verarbeitete Lebensmittel enthalten dagegen oft viel Salz und sollten nur selten auf dem Speiseplan stehen. Salz kann den Blutdruck erhöhen – und Bluthochdruck kann das Vorhofflimmern verschlechtern.
Auch das Körpergewicht spielt eine wichtige Rolle. Bei Übergewicht kann bereits eine geringe Gewichtsabnahme dazu beitragen, Beschwerden zu verringern und Vorhofflimmern zu reduzieren.
Beim Alkohol gilt: Weniger ist besser. Schon größere Einzelmengen können Vorhofflimmern auslösen oder bestehende Beschwerden verstärken. In Studien wurde gezeigt, dass Menschen mit Vorhofflimmern weniger Flimmeranfälle haben, wenn sie weitgehend auf Alkohol verzichten.
Rauchen erhöht das Risiko für Vorhofflimmern. Das liegt daran, dass Nikotin und andere Substanzen im Zigarettenrauch Puls und Blutdruck steigern und die elektrische Stabilität des Herzens verändern. Außerdem schädigt das Rauchen die Blutgefäße direkt und erhöht das Risiko für Blutgerinnsel und Schlaganfälle – also genau für die Komplikationen, die man beim Vorhofflimmern fürchtet.
Hinweis: Kaffee ist für viele Menschen mit Vorhofflimmern kein Problem. Wer jedoch bemerkt, dass koffeinhaltige Getränke Herzrasen auslösen, sollte den Konsum einschränken.
Bewegung hält das Herz fit
Regelmäßige körperliche Aktivität gehört zu den wichtigsten Maßnahmen bei Vorhofflimmern. Bewegung stärkt Herz und Kreislauf, senkt den Blutdruck und unterstützt dabei, ein gesundes Körpergewicht zu erreichen. Viele Betroffene berichten außerdem, dass sie sich belastbarer fühlen und ihre Lebensqualität steigt.
Welche körperliche Aktivität im Einzelfall passend ist, bespricht man am besten mit der behandelnden Ärzt*in. Besonders geeignet sind Ausdauersportarten wie zügiges Spazierengehen, Nordic Walking, Radfahren, Schwimmen oder Gymnastik. Wichtig ist, langsam zu beginnen und die Belastung schrittweise zu steigern.
Wer während der Bewegung starke Atemnot, Brustschmerzen, Schwindel oder Herzrasen entwickelt, sollte das Training abbrechen und die Beschwerden ärztlich abklären lassen.
Hinweis: Auch kleine Bewegungseinheiten im Alltag helfen – etwa Treppensteigen, Gartenarbeit oder ein täglicher Spaziergang.
Stress reduzieren und ausreichend schlafen
Viele Betroffene berichten, dass Stress oder Schlafmangel das Vorhofflimmern verstärken können. Zwar lässt sich Stress nicht vollständig vermeiden, doch regelmäßige Erholungsphasen können helfen.
Entspannungsverfahren wie Atemübungen, Yoga oder die progressive Muskelentspannung nach Jacobsen wirken sich bei vielen Menschen positiv auf das Wohlbefinden aus. Ebenso wichtig ist ausreichend Schlaf. Wer stark schnarcht oder tagsüber ungewöhnlich müde ist, sollte ärztlich abklären lassen, ob möglicherweise eine Schlafapnoe vorliegt. Eine Schlafapnoe muss behandelt werden, da bekannt ist, dass sie Vorhofflimmern verstärken kann.
Hinweis: Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus. Unregelmäßige Schlafzeiten können das vegetative Nervensystem aktivieren und damit Stress auslösen.
Puls kontrollieren – aber wie?
Um Veränderungen zu erkennen, sollten Patient*innen mit Vorhofflimmern ihren Puls kontrollieren. Und zwar sowohl routinemäßig als auch dann, wenn sie Beschwerden haben. Dabei ist nicht nur die Frequenz, also die Anzahl der Herzschläge pro Minute von Bedeutung. Es soll auch darauf geachtet werden, ob das Herz regelmäßig oder unregelmäßig schlägt. Denn ein unregelmäßiger Puls ist bei Vorhofflimmern ein wichtiger Hinweis und sollte ärztlich abgeklärt werden. Folgende Verfahren eignen sich zur Messung:
Manuelle Pulskontrolle am Handgelenk: Hierbei legt man Zeige- und Mittelfinger auf die Innenseite des Handgelenks (unter dem Daumen) und fühlt die Pulswelle. Um die Anzahl der Herzschläge pro Minute zu erkennen, zählt man entweder 30 Sekunden mit und multipliziert den Wert mit 2 oder man zählt den Pulsschlag eine komplette Minute lang durch.
Geräte zur Selbstkontrolle: Gut zu messen ist der Puls mit einem Blutdruckmessgerät mit Pulsanzeige. Auch Fitnesstracker oder Smartwatches können den Puls messen. Das ist besonders bequem, allerdings können bei Bewegungen Messfehler entstehen. Manche Smartwatches zeichnen auch ein EKG auf. Damit können sie Hinweise auf Vorhofflimmern liefern, ersetzen aber nicht die ärztliche Diagnostik.
Hinweis: Die regelmäßige Pulskontrolle sollte möglichst immer unter ähnlichen Bedingungen (z. B. in Ruhe und zur gleichen Tageszeit) erfolgen, um vergleichbare Werte zu erhalten.
Was tun beim Herzstolpern?
Bei Vorhofflimmern ist es besonders wichtig, auch in belastenden Situationen möglichst ruhig zu bleiben – denn Angst und Stress können die Beschwerden verstärken. Viele Episoden lassen sich besser bewältigen, wenn man sich bewusst macht, dass sie zwar unangenehm, aber in der Regel nicht unmittelbar gefährlich sind.
Hilfreich ist es, auf den eigenen Körper zu achten und Veränderungen wahrzunehmen, ohne jede kleine Unregelmäßigkeit sofort als Verschlechterung zu deuten oder in Panik zu geraten. So kann ein bewusster und gelassener Umgang mit der Erkrankung dazu beitragen, die Lebensqualität zu verbessern.
Bei einigen Beschwerden ist es nötig, die Ärzt*in aufzusuchen. Sofort in die Praxis oder den Notruf tätigen sollte man bei
plötzlichem Brustschmerz oder starkem Druckgefühl in der Brust
Atemnot in Ruhe oder deutlich zunehmende Luftnot
Lähmungen, Sprachstörungen, Sehstörungen oder einem hängenden Mundwinkel (Verdacht auf Schlaganfall)
plötzlichem Kollaps, starker Benommenheit oder Bewusstlosigkeit
anhaltend sehr schnellem Herzschlag mit starkem Krankheitsgefühl, Schwindel oder Kreislaufproblemen
starken Beschwerden nach einem Sturz, insbesondere unter Blutverdünnung
Manche Symptome sind zwar keine Zeichen eines Notfalls, sollten aber trotzdem in den nächsten Tagen abgeklärt werden. Dies gilt z. B., wenn
Herzstolpern bzw. Herzrasen neu oder verstärkt auftritt,
die Leistungsfähigkeit sinkt oder es vermehrt zu Müdigkeit und Luftnot bei Belastung kommt,
das Herz phasenweise immer wieder unregelmäßig schlägt,
verstärkt Blutergüsse oder Nasenbluten auftreten oder Blut im Stuhl auffällt.
Gut vorbereitet in die Arztpraxis
Regelmäßige Kontrolluntersuchungen gehören zur Behandlung des Vorhofflimmerns dazu. Sie helfen dabei, Medikamente anzupassen und den Krankheitsverlauf zu beurteilen. Eine aktuelle Medikamentenliste und gegebenenfalls selbst gemessene Blutdruck- oder Pulswerte erleichtern das Gespräch.
Vor dem Termin kann es hilfreich sein, sich Notizen zu machen:
Welche Beschwerden sind seit dem letzten Termin aufgetreten?
Wie häufig treten Herzrasen oder Herzstolpern auf?
Gab es Nebenwirkungen der Medikamente?
Welche Fragen möchten Sie stellen?
Hinweis: Es empfiehlt sich, seine Beschwerden zu beobachten und in einem Symptomtagebuch zu notieren. Dadurch kann man Veränderungen frühzeitig erkennen und der behandelnden Ärzt*in wichtige Informationen liefern.
Grillpartys, Musikfestivals oder entspannte Nachmittage am Badesee gehören für viele Menschen zu den schönsten Erlebnissen des Sommers. Auch Menschen mit Diabetes können diese Momente ohne Einschränkungen genießen. Sie sollten sich auf das Feiern aber etwas vorbereiten, um die gesundheitlichen Risiken zu reduzieren.
Sommerfeste und Diabetes – warum besondere Vorsicht nötig ist
Der Körper reagiert im Sommer anders als in den kühleren Monaten. Hitze beeinflusst den Kreislauf, den Flüssigkeitshaushalt und den Stoffwechsel. Diese Veränderungen wirken sich auf Menschen mit Diabetes in besonderem Maße aus und können, sofern man sie nicht beachtet, zu Problemen führen. Hohe Temperaturen steigern die Durchblutung, so dass Insulin schneller wirkt und es leichter zu Unterzuckerungen kommt. Gleichzeitig verliert man durch das Schwitzen mehr Flüssigkeit. Wird dieser Verlust nicht ausgeglichen, drohen Kreislaufprobleme und Stoffwechselstörungen.
Hinzu kommt, dass insbesondere Sommerveranstaltungen selten nach einem festen Rhythmus ablaufen. Mahlzeiten werden ausgelassen, Snacks vergessen oder Essenszeiten verschoben. Gleichzeitig bewegen sich viele Menschen deutlich mehr als sonst. Tanzen, lange Wege auf einem Festivalgelände oder sportliche Aktivitäten erhöhen den Energieverbrauch und können den Blutzuckerspiegel zusätzlich senken.
Zudem sind viele Sommerveranstaltungen eng mit Alkohol verbunden. Alkohol beeinflusst nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern auch die Wahrnehmung von Unterzuckerungen. Besonders gefährlich ist, dass die Symptome einer Hypoglykämie leicht von Außenstehenden mit normaler Trunkenheit verwechselt werden können.
Hinweis: Auch Schlafmangel beeinflusst die Stoffwechsellage. Wer mehrere Nächte zu wenig schläft, produziert vermehrt Stresshormone wie Cortisol. Diese Hormone können den Blutzucker ansteigen lassen. Die Folge sind oft starke Schwankungen zwischen hohen und niedrigen Werten.
Vorbereitung auf Sommerfeste und Festivals
Eine gute Planung erleichtert Menschen mit Diabetes den Aufenthalt auf Sommerveranstaltungen erheblich. Besonders bei mehrtägigen Festivals sollte nichts dem Zufall überlassen werden. Diese Punkte gehören zu einer guten Vorbereitung dazu:
Medikamente und Hilfsmittel vollständig einpacken. Wer mit Diabetes unterwegs ist, sollte natürlich ausreichend Medikamente und Diabeteszubehör dabeihaben. Dazu gehören unter anderem:
Insulin oder orale Antidiabetika
Blutzuckermessgerät, Teststreifen, Sensoren und Zubehör, Ersatzbatterien oder Akkus
Pen-Nadeln und Spritzen, Alkoholtupfer, Desinfektionsmittel.
Da Festivalgelände oder Campingplätze häufig staubig und verschmutzt sind, spielen Hygiene und saubere Lagerung eine wichtige Rolle. Desinfektionstücher und Händedesinfektionsmittel helfen dabei, Infektionen und fehlerhafte Messungen zu vermeiden. Wer eine Insulinpumpe verwendet, sollte diese vor der Abreise gründlich kontrollieren. Die Akkus müssen vollständig geladen sein und Ersatzmaterial sollte mitgeführt werden.
Insulin richtig lagern. Insulin reagiert empfindlich auf hohe Temperaturen und darf weder direkter Sonneneinstrahlung noch extremer Hitze ausgesetzt werden. Deshalb empfiehlt sich der Transport in speziellen Kühltaschen oder isolierten Behältern (Thermosflasche). Wichtig ist, dass Insulin nicht direkt auf Kühlakkus gelegt wird, da Einfrieren die Wirksamkeit zerstören kann. Große Festivals verfügen häufig über medizinische Stationen oder Sanitätszelte, in denen man Medikamente kühl lagern kann. Sinnvoll ist es, dies vorab mit dem Veranstalter oder dem Sanitätsdienst zu klären. Um Verwechslungen zu vermeiden, sollten Medikamente eindeutig beschriftet werden.
Notfallvorsorge nicht vergessen. Traubenzucker oder schnell verfügbare Kohlenhydrate sollten immer griffbereit sein. Kleine Snacks können helfen, Unterzuckerungen rechtzeitig auszugleichen.
Freunde informieren. Freunde oder Begleitpersonen sollten über den Diabetes Bescheid wissen. Ebenso wichtig ist es, dass sie die Anzeichen einer Unterzuckerung erkennen und im Ernstfall richtig reagieren können.
Hinweis: Es empfiehlt sich, einen Diabetesausweis mitzuführen oder ein medizinisches Armband mit wichtigen Informationen zur Erkrankung anzulegen. So können im Notfall Außenstehende leicht informiert werden.
Blutzucker im Sommer häufiger kontrollieren
All die genannten Faktoren verändern den Stoffwechsel oft schneller als erwartet. Deshalb sollten Menschen mit Diabetes im Sommer häufiger ihren Blutzucker messen. Besonders wichtig sind Kontrollen:
vor körperlicher Aktivität
vor dem Schwimmen
vor dem Schlafengehen
vor und nach Alkoholkonsum
bei Hitze oder Kreislaufproblemen
Kontinuierliche Glukosemesssysteme können dabei eine große Hilfe sein, denn sie informieren mithilfe von Warnsignalen frühzeitig über kritische Werte. Diejenigen, die ihren Blutzucker nicht automatisch, sondern selbst messen, können sich Alarmzeiten im Smartphone einstellen. Das erinnert ans Messen und ist besonders bei Festivals oder langen Partynächten praktisch.
Gesund und blutzuckerfreundlich schlemmen
Menschen mit Diabetes müssen beim Grillen oder Feiern nicht auf Genuss verzichten. Entscheidend ist eine ausgewogene Auswahl: Besonders geeignete Lebensmittel sind Fisch, Hähnchen- oder Putenfleisch, gegrilltes Gemüse, frische Salate und Vollkornprodukte. Vor allem Gemüsesorten wie Paprika, Zucchini, Auberginen oder Pilze liefern Ballaststoffe und Vitamine und beeinflussen den Blutzucker meist nur wenig.
Für Menschen mit Diabetes ist es wichtig, versteckte Zucker zu erkennen. So enthalten z. B. viele Grillsoßen und Marinaden überraschend viel davon, wodurch der Blutzuckerspiegel schneller ansteigt als erwartet. Auch Beilagen wie Weißbrot, Kartoffelsalat oder Nudelsalat enthalten große Mengen Kohlenhydrate. Deshalb sollte die Portion bewusst gewählt werden.
Komplett auf Eis, Kuchen oder süße Getränke zu verzichten ist nicht zwingend notwendig. Entscheidend ist, die Menge im Blick zu behalten und den Einfluss auf den Blutzucker zu berücksichtigen. Frisches Obst kann eine gute Alternative darstellen. Dennoch enthalten auch Früchte natürlichen Zucker und sollten nicht unbegrenzt verzehrt werden.
Hinweis: Festivals stellen in puncto Mahlzeiten oft eine besondere Herausforderung für Menschen mit Diabetes dar. Meist gibt es vor allem Essen mit viel Zucker, Salz und Fett. Es ist also sinnvoll, seine eigenen Snacks mitzunehmen, z. B. in Form von Vollkornriegeln, belegten Broten, Nüssen, Obst oder geeigneten Crackern.
Alkohol und Diabetes
Auf Sommerfesten und Festivals wird häufig Alkohol getrunken. Wer Diabetes hat, sollte die Wirkung alkoholischer Getränke auf den Stoffwechsel kennen.
Alkohol beeinflusst den Blutzucker auf unterschiedliche Weise. Kurz nach dem Trinken steigen die Werte teilweise an. Einige Stunden später kann der Blutzucker jedoch stark absinken. Der Grund dafür liegt in der Leber: Normalerweise gibt sie Zucker ins Blut ab, wenn der Körper ihn braucht. Alkohol bremst diesen Vorgang – deshalb kann der Blutzucker später stark abfallen, besonders wenn zusätzlich Insulin oder Diabetesmedikamente wirken. Solche Unterzuckerungen können selbst noch während der Nacht oder erst am nächsten Morgen entstehen.
Ein weiteres Problem: Unter Alkoholeinfluss nehmen viele Menschen Warnzeichen einer Hypoglykämie schlechter wahr. Zittern, Schwitzen, Konzentrationsstörungen und Kopfschmerzen werden leicht mit Trunkenheit verwechselt, sodass auch Außenstehende die Gefahr häufig nicht rechtzeitig erkennen.
Für einen verantwortungsvollen Alkoholgenuss gilt:
Alkohol niemals auf nüchternen Magen trinken. Alkohol sollte immer zusammen mit kohlenhydrathaltigen Speisen konsumiert werden. Geeignet sind beispielsweise Brot, Vollkornprodukte oder kleine Snacks.
Wasser trinken! Zwischen alkoholischen Getränken sollte man regelmäßig zu Wasser greifen, da Alkohol dem Körper Flüssigkeit entzieht.
Alkoholsorten beachten. Nicht jede Alkoholart wirkt gleich auf den Blutzucker. Cocktails, Liköre oder süße Mischgetränke enthalten oft viel Zucker und können kurzfristig hohe Blutzuckerwerte verursachen. Spirituosen wie Wodka oder Whiskey enthalten dagegen kaum Kohlenhydrate. Sie führen eher zu einem schnellen Blutzuckerabfall.
Hinweis: Menschen, die das Diabetesmedikament Metformin einnehmen, müssen mit Alkohol besonders vorsichtig sein. Denn übermäßiges Trinken kann in Kombination mit diesem Medikament zu einer gefährlichen Anreicherung von Milchsäure im Blut führen (Laktatazidose).
Bewegung, Sport und körperliche Aktivität
Sommerveranstaltungen sind oft mit viel Bewegung verbunden. Lange Wege, Tanzen oder sportliche Aktivitäten erhöhen den Energieverbrauch deutlich. In der Folge sinkt der Blutzucker häufig schneller als gewohnt. Menschen mit Diabetes sollten deshalb ausreichend Snacks dabeihaben und regelmäßig ihre Werte kontrollieren.
Wird am Wasser gefeiert, kommen weitere Herausforderungen hinzu. Schwimmen beeinflusst den Stoffwechsel, wobei kaltes Wasser den Energieverbrauch zusätzlich erhöht. Im Wasser werden Warnzeichen einer Unterzuckerung leicht übersehen, weil Zittern oder Schwäche fälschlicherweise auf das kalte Wasser geschoben werden. Deshalb ist es wichtig, vor dem Schwimmen den Blutzucker zu messen. Achtung, dafür müssen die Hände gut abgetrocknet werden: Denn Wasser kann die Messergebnisse verfälschen. Bei längeren Aufenthalten im Wasser sollte man den Blutzucker auch zwischendurch immer wieder kontrollieren.
Hinweis: Inzwischen gibt es immer mehr Menschen mit Diabetes, die eine Insulinpumpe tragen. Je nach Art bleibt die Pumpe am Körper (Herstellerhinweise bezüglich der Wasserdichtigkeit beachten!) oder wird kurzzeitig abgekoppelt. Davor ist es allerdings ratsam, die Blutglukose zu messen.
Hitze richtig bewältigen
Hohe Temperaturen lassen den Flüssigkeitsbedarf deutlich steigen. Wer zu wenig trinkt, riskiert Kreislaufprobleme und Stoffwechselentgleisungen. Wasser ist das beste Getränk bei Hitze, aber auch ungesüßter Tee eignet sich gut. Besonders bei Festivals oder langen Aufenthalten im Freien sollte immer eine Wasserflasche griffbereit sein.
Hitze schadet nicht nur dem Insulin. Auch andere Arzneimittel leiden unter hohen Temperaturen und dürfen niemals längere Zeit im Auto oder in direkter Sonne gelagert werden. Damit Blutzuckermessgeräte, Sensoren und Teststreifen einwandfrei funktionieren, müssen sie trocken und möglichst kühl aufbewahrt werden.
Körperliche Anstrengung sollte man möglichst auf morgens oder abends verschieben. In der Mittagshitze wird der Kreislauf besonders stark belastet. Leichte Kleidung, Kopfbedeckungen und schattige Plätze schützen Kopf und Körper, wenn es zu heiß wird.
Ältere Menschen mit Diabetes leiden häufig zusätzlich unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Bluthochdruck und müssen deshalb besonders aufpassen. Hitze setzt ihrem Kreislauf besonders zu und das Risiko für Schwindel oder Erschöpfung steigt. Hinzu kommt, dass ältere Menschen oft weniger Durst verspüren und zu wenig trinken. An heißen Tagen sollte daher bewusst und regelmäßig Flüssigkeit aufgenommen werden.
Schlafmangel und Stress
Nicht zu unterschätzen sind der Stress und der Schlafmangel, die ausgiebiges Feiern häufig mit sich bringen. Die langen Nächte und der mangelnde Schlaf wirken sich direkt auf den Stoffwechsel aus. Der Körper schüttet unter Stress vermehrt Hormone aus, die den Blutzucker erhöhen können.
Gleichzeitig steigt bei Müdigkeit die Gefahr, Warnzeichen einer Unterzuckerung zu übersehen. Deshalb sind insbesondere für Menschen mit Diabetes regelmäßige Ruhephasen wichtig – selbst während Festivals oder längerer Feiern. Festivals bieten oft Zelte oder andere Räume für einen Rückzug an. Am besten informiert man sich im Vorfeld oder spätestens zu Beginn der Veranstaltung, wo man diese Orte findet.
Am Tag nach der Feier …
Wenn es beim Feiern hoch hergegangen ist, sollten Menschen mit Diabetes drei Dinge im Blick behalten: Die Nachwirkung von Alkohol, die Schwankungen des Blutzuckers und die Erholung des Körpers.
Nach ausgiebigem Alkoholgenuss kann der Blutzucker noch bis zu 12–24 Stunden später abfallen, weil die Leber weiterhin mit dem Alkoholabbau beschäftigt ist und weniger Zucker ins Blut abgibt. Deshalb: auch am Morgen danach regelmäßig den Blutzucker messen.
Um den Flüssigkeitshaushalt zu stabilisieren, sollte viel getrunken werden, am besten ungesüßter Tee oder Mineralwasser. Leicht verdauliche Kohlenhydrate und etwas Eiweiß helfen dem Körper am Tag danach, sich zu regenerieren. Hohe Zucker- und Fettspitzen belasten den Stoffwechsel und sind deshalb zu vermeiden.
Körperliche Anstrengungen am Morgen nach dem Festival sollte man unterlassen. Denn selbst wenn man sich fit fühlt, kann der Stoffwechsel noch beeinflusst sein. Unterzuckerungen drohen insbesondere, wenn Insulin gespritzt oder Sulfonylharnstoffe eingenommen werden.
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Eine Heilpflanze (auch Drogenpflanze oder Arzneipflanze genannt) ist eine Pflanze, die in der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) wegen ihres Gehalts an Wirkstoffen zu Heilzwecken oder zur Linderung von Krankheiten verwendet werden kann. Sie kann als Rohstoff für Phytopharmaka in unterschiedlichen Formen, aber auch für Teezubereitungen, Badezusätze und Kosmetika verwendet werden.